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DIE BILDER DES PROJEKTES eXXXpose

 

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SIE SIND HYPERREAL, ABER SIE BLEIBEN UNWIRKLICH. Sie zeigen sich direkt und roh, aber sie wirken verletzlich. Sie stellen sich in aller Öffentlichkeit zur Schau -- und sie bleiben doch alleine in ihrer Anonymität verloren.

Diese Aufnahmen, Snaps in Pixelform, fehlen in jedem Fotoalbum: Nacktaufnahmen, die schwule Männer in der Schweiz und anderswo von sich selbst machen und auf den Marktplätzen im World Wide Web zur Schau stellen. Die Männer präsentieren sich so, wie sie sich selbst gerne sehen und wie sie von den anderen wahrgenommen werden möchten. Begehrenswert. Sie zeigen alles, was sie haben. Und ihre Phantasien.

Nicht immer im besten Licht, aber immer im Rausch der Erwartungen. Die Menschen stellen sich meistens kopflos ins Web, ohne wirkliche Identität. Aber die mit Codes formulierten sexuellen Präferenzen geben den Selbstdarstellern ein Gesicht und schaffen vermeintliche Gemeinsamkeiten.

       
ORIGINALAUFNAHMEN eXXXpose
(QUELLE: INTERNET)

 

DAS FREMDBESTIMMTE EIGENBILD. Die Selbstbildnisse orientieren sich an der Bildsprache der Pornografie. Das ist letztlich nur die konsequente Weiterführung des Ikonenkultes der Medien- und Konsumwelt. Ein fremdbestimmtes Eigenbild. Selbstinszenierung und Pornografie, Intimität und Publizität: Sie bilden ein ambivalentes Kraftfeld.

Die Snaps haben die Personen mit einer digitalen Kamera in den eigenen vier Wänden selbst gemacht. Das bedingt auch eine Bereitschaft zum Experimentieren. Oft lassen sich auf den ins Web gestellten Fotos Bruchstücke des Wohn- oder Schlafzimmers und private Gegenstände entdecken.

IN DEN ENTHEMMTEN BILDERN STECKEN AUCH HEMMUNGEN. Eine verblüffende Gemeinsamkeit aller Aufnahmen: Sie sind in einem biederen Umfeld entstanden. Letztlich entspricht das enthemmte Sich-präsentieren mit Angaben zu Gewicht, Grösse und Vorlieben auch kleinbürgerlichen Wunschvorstellungen.

Eine Startrampe für den Blick auf die Selbstbildnisse sind spezielle Chat-Rooms. Viele Nutzer setzen in ihrem „Profil“ neben den üblichen Massen und Vorlieben einen Link auf die eigene Website, die kostenlos und innerhalb weniger Minuten standardmässig produziert werden kann.

Die werbefinanzierten Anbieter der gesammelten Visitenkarten der Begierde befinden sich etwa in Amerika, in England oder in der Schweiz. Wer bei einem US-Anbieter mit 50 000 Eingaben im Suchraster „Zurich“ eintippt, bekommt die Namen von mehr als 120 Personen aufgelistet, bei „Bern“ sinds 80 Namen und bei „Basel“ 50 Namen.

Viel Schmuddel, schön sortiert und weltweit organisiert. Die Namen der Selbstdarsteller im Katalog lauten zum Beispiel „swisstoy“, „zhengst“ oder „jockyrider“. Es besteht eine ständige Verfügbarkeit -- auf Nutzer- und Anbieterseite. Den Ausbruch aus der Anonymität hin zum Kontakt ermöglicht eine E-Mail-Adresse. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Eines von 50 Bildern ist interessant; der überwiegende Teil ist unbeholfen. Aber real.

       
ORIGINALAUFNAHMEN eXXXpose
(QUELLE: INTERNET)

"... CYBERSOULS. ANONYMITY IN THE 21ST CENTURY:
SEARCHING THE WEB FOR A CONNECTION ..."  
***** / 28. 04. 02

 

AUSSTELLEN, ENTHÜLLEN, BLOSSSTELLEN. Das Projekt eXXXpose beschäftigt sich mit diesen Aktbildern als Selbstporträts. Der Name des Projektes eXXXpose setzt sich zusammen aus dem englischen Wort EXPOSE -- steht für: ausstellen, enthüllen, blossstellen -- und XXX-rated, dem Zeichen für Hardcore-Produkte der Pornoindustrie.

eXXXpose ist eine freie künstlerische Auseinandersetzung mit der Selbstinszenierung, der Selbstwahrnehmung und dem fremdbestimmten Eigenbild in den radikalsten Formen. Es geht nicht um Moral oder um Provokation, sondern um ein in der Öffentlichkeiten bislang nicht beachtetes Phänomen. Sexuelle Präferenzen spielen da nicht wirklich eine Rolle.

DIE WIEDER GEFUNDENE ÄSTHETIK. Die kleinen, farbigen Pics mit einer schlechten Pixelauflösung verbergen als authentisches Aktbild ihre besondere Ästhetik. Sie erschliesst sich dem Betrachter und der Betrachterin selten auf den ersten Blick.

Erst die formale Angleichung der Fotos, unter weitgehender Einhaltung der Ausschnitte, und die gleichbleibende Bearbeitung mit einer Bildsoftware lassen Überraschendes aufscheinen. Die virtuelle Direktheit der Selbstdarsteller wandelt sich: in reale Intimität.

TEXT: CAMERON

 

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DES PROJEKTES eXXXpose: CAMERON
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