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The New Old Way to
See: Art Statement & Biography
Die HOLGA: Das schwarze
Plastikteil
Die schlampige
Königin:
HOLGA 120S
Die Fotos in der GALLERY
MATERIAL entstanden mit dieser Kamera
Sie ist billig. Sie ist aus Plastik. Und sie
stammt aus Hongkong. Alles an ihr ist wacklig. Der Schrecken eines jeden
Fotografen. Aber das stört die Toy-Camera nicht: Sie nennt sich stolz HOLGA
120S. Die batterielose Kamera verlässt die chinesische Fabrik mit
Produktionsfehlern. Der Kultstar HOLGA, der allseits nur mitleidiges Lächeln
erntet, muss im Innern mit vielen schwarzen Klebern und weiteren Basteleien vor
dem ersten Einsatz brauchbar gemacht werden.
Die Lichtbildmaschine mit den vielen Macken:
Es ist eine Spielzeug-Kamera, die Filme im professionellen Mittelformat
verschlingt. Die Belichtungszeit ist fix (1/100 Sekunde), auch die Blende (f8/60
mm) ist vorgegeben. Die Schärfe lässt sich zwar einstellen, aber sie muss
geschätzt werden. Die Optik „Made in China" ist natürlich aus Plastik -
entsprechend stechen die Abbildungsfehler ins Auge.
Die Linsen lassen in der Mitte weniger Licht
auf den Film als am Rande (Vignettierung). Diese Launen machen den Charme der
billigsten 6x6-Kamera der Welt aus. Jede HOLGA meldet ihre Existenz mit anderen
Fehlern an - also besitzt jede schwarze Low-Tech-Kamera trotz Massenproduktion
einen eigenen Charakter. So ist das. Die ersten vier HOLGAS bestellte ich mir
vor drei Jahren via Internet bei einer Fotoversand-Firma ins Los Angeles. Vier
Tage später waren sie da.
Die HOLGA 120S sieht die Welt auf ihre
Weise. Die schlampige Königin aller Toy-Cameras wirkt als cooler
Emotionsverstärker: Sie fängt die Poesie des Augenblicks ein. Sie ermöglicht
neue Sichten auf Gewöhnliches. Sie bildet den surrealen Kosmos in teilweise
unschwarfer Perspektive ab. Und die Wundertüte der Experimentalfotografie setzt
einen Gegenakzent zur Bilderflut, die von immer perfekteren vollautomatischen
Kleinbild- und APS-Kameras meterweise ausgespuckt wird.
Tomas Gerber
HOLGA 120S /
INSTRUCTION MANUAL >
SOME SIMPLE SUGGESTIONS: „Remember to take off lens cap before taking
pictures. / The sun must always be behind you. / Hold camera steadily and firmly
against your face. / Press down the Shutter Release Button gently. / Remember to
wind your film to the next number after snapping each picture. / Loading or
unloading of film must always be done in a dark place. / DO NOT snap pictures in
the shade or where there ist insufficient light unless flash unit used. / Never
snap pictures at a distance of less than 5 ft. / Do not take pictures of fast
moving objects. / Always clean the lens with a soft and smooth cloth.“
Woca 120 GF Kamera - bis auf
eine Glaslinse baugleich mit Holga 120 GFN Kamera
Woca 120 G Kamera - bis auf
eine Glaslinse baugleich mit Holga 120 S Kamera
[
Geschichte & Philosophie
Die Holga wurde für die
fotobegeisterten Chinesen als Volkskamera konstruiert, die für jedermann
erschwinglich sein sollte. Mit der Zeit hat sie Ihren Weg auch in den Westen
gefunden und genießt mittlerweile Kultstatus
unter experimentierfreudigen Photographen in Europa und den USA. Ihre
Philosophie könnte man knapp formuliert mit "Reduce to the max"
bezeichnen. Sie wird bevorzugt von zwei Typen von Photographen verwendet:
Photographen die gerne mit Mittelformat
arbeiten, aber nicht über die Geldmittel verfügen eine klassische
Mittelformatkamera zu kaufen
Photographiestudenten, Künstler
und begeisterte Amateure, welche durch die Reduktion der Möglichkeiten
ihre Sicht der Photographie abseits der Hi-Tech Variante neu entdecken
wollen.
Mit der Holga gemachte Fotos
weisen all die Fehler auf, die herkömmlichen Kameras zu korrigieren
versuchen: Unschärfen, Streulichter, Farbverfälschungen etc. Außerdem
bietet sie sehr wenige Einstellmöglichkeiten. Auf der anderen Seite bietet
sie wiederum Möglichkeiten, welche bei herkömmliche Kameras zwecks
"Fehlervermeidung" gesperrt sind. So lässt sich z.B. der Spulknopf
beliebig weit drehen, womit sich partielle Doppelbelichtungen kreieren lassen.
Dieses ist mit herkömmlichen Kameras unmöglich.
Die Philosophie der Holga-Fans
besteht darin, die Fehler der Kamera zu zelebrieren, sie zu verstärken und
sie bewußt und gekonnt einzusetzen. Die Meister der Holga-Szene greifen zu
verschiedensten Mitteln beim Umbau der Kamera, wie z.B. zusätzlichen
Belichtungen des Films durch bestehende oder gebohrte Löcher im Gehäuse. Da
die Kamera sehr günstig ist, braucht man sich bei der Modifikation auch keine
Gedanken wegen eventueller finanzieller Einbußen zu machen.
Besonders beliebt ist die Holga
in der Lomographie
und bei Weblogs,
die sich auf Fotografien spezialisiert haben.
Fehlerbeschreibung
Ihr fix montiertes 60mm Objektiv
mit fester Brennweite
besteht bei allen Kameras der HOLGA Serie aus Kunststoff. Auch die Linsen
selbst sind aus Kunststoff gefertigt. Dabei wurde keineswegs auf
Bildqualität im klassischen Sinne Wert gelegt. Das Objektiv weist mehr
oder weniger fast alle Bildfehler auf die man bei herkömmlichen Kameras
zu korrigieren versucht.
Das Objektiv verzerrt alle
Linien die sich im Bild befinden, auch Linien die durch die Mitte des
Bildes gehen. Ihre Verzerrungen sind asymmetrischer Natur und variieren
von Modell zu Modell.
Die Linsen sind nicht vergütet,
daraus resultiert eine schlechte Kontrastwiedergabe. Deswegen ist es auch
empfehlenswert im Kontrast eher härter arbeitende Filme wie z.B Diafilme
zu verwenden.
Die Linse beschneidet
aufgrund der fehlenden Vergütung
oberhalb ca. 600 nm und unterhalb ca. 400 nm mit einer weich verlaufenden
Cut-Off Kurve das wiedergegebene Farbspektrum, was eine eigene FarbÄsthetik
bei Farbaufnahmen entstehen läßt.
Das Objektiv ist nicht über
die gesamte Bildebene gleichmäßig scharf. Meistens ist es in der Mitte
relativ scharf, und wird gegen die Ränder unschärfer. Richtig scharf
wird es jedoch nie.
Weiter besitzt die
Linsenkombination einen starken Helligkeitsabfall (Vignettierung)
zu den Rändern hin. Diese Vignettierung
macht sich am besten bemerkbar wenn die Holga im 6x6 Modus benutzt wird.
Es werden je nach Modell ein
bis zwei Adaptermasken mitgeliefert. Damit ist es möglich sowohl im
Format 6x6 cm
(quadratisch) als auch 4,5x6
cm (rechteckig) auf den eingelegten Rollfilm zu photographieren. Es sollte
nicht vergessen werden daß die Kamera Bilder im Hochformat liefert wenn
die 4,5x6 Maske eingelegt ist. Auch ändert sich die Bildanzahl pro Film
je nach Format. Genaugenommen sind es 16 mit der 4,5x6 Maske und 12 mit
der 6x6 Maske. Der "Zähler" auf der Rückseite ist jeweils
entsprechend umzustellen. Will man noch intensivere Unschärfe-Spiele, so
setzt man am besten einfach gar keine Maske ein, somit hat der Film de
facto keine Planlage mehr.
Ein weiterer
"Fehler" sind Lichteinfälle die chaotisch je nach Modell
unterschiedlich sind und einen "Abdruck" der Kamera in jedem
Foto bei hellem Licht hinterlassen. Diese werden durch Löcher im Gehäuse
verursacht. Es gibt jedoch auch genügend Exemplare die gar keine
Lichteinfälle haben.
Tips für die Praxis
Die Bilder der Holga sind
zwar feinkörniger als Kleinbildfotos, jedoch bei weitem nicht so scharf
wie die einer mittelmäßigen Kleinbildkamera oder Digitalkamera. Nur bei
heftigem Sonnenschein von 10 Uhr bis 14 Uhr in den Sommermonaten ist ISO
100 Film zu empfehlen. Für alle anderen Situationen sind ISO
400 Filme angebrachter.
Bei sehr schwankenden
Lichtsituationen ist Negativfilm dem Diafilm vorzuziehen. Dieser gleicht
die Unterschiede besser aus. Die Kamera kann dies ja nicht, deshalb muss
der Film diese Aufgabe erledigen. Für relativ stabile Lichtverhältnisse
ist jedoch Diafilm
zu empfehlen. Dieser gleicht den niedrigen Kontrast des Objektivs besser
aus.
Schwarzweissfilm ist
bedenkenlos einsetzbar. Besonders empfehlenswert sind chromogene SW-Filme
mit ISO 400 wie
der KODAK 400CN und ILFORD XP2. Diese gleichen auch sehr abweichende
Lichtverhältnisse besonders gut aus.