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P R O J E K T _ 1 : 1 / TV-GERICHTSSHOWS
„Du Kiffersau, geh’ arbeiten!“ - Copyright Süddeutsche Zeitung, 18. Juli 2002 / Medien-Seite -
Wochenprotokoll der Gerichts- und Psychoshows: Das Genre ist ordinärer als die verrufenen Talks Ein Tag in einem deutschen Gericht ist meistens dröge – im Nachmittagsfernsehen dagegen sind solche Verhandlungen bunte Shows. Die Melange aus Sex & Crime ersetzt die wabernden Beleidigungsorgien der Talkshows – alles ist ja so fürchterlich seriös. Schließlich reden echte Richter (alle beurlaubt) in schwarzen Roben zu Laienschauspielern. Die Fälle sind angeblich authentisch, Kenner der Materie dagegen sprechen von freier Dichtkunst. Führend in diesem Milieu ist Sat 1, wo täglich die Psychologin Angelika Kallwass sowie die Juristen Barbara Salesch und Alexander Hold auftreten. Eine Woche Kadi- und Psycho-TV fördert Erstaunliches zu Tage. Mittwoch, 10. Juli Zwei bei Kallwass 1.) Marko trennt sich von Melanie: „Du bist eine Schlampe.“ 2.) Paula hat ihren Freund Tobias beim „Dirty Talk“ mit frem den Frauen am Telefon erwischt:„Das ist pervers.“ Kallwass: „Du musst zur Selbsthilfegruppe.“ 3.) Natascha will, dass sich Timo beschneiden lässt – sie stört der Uringeruch. Eigentlich aber hat sie Angst vor Krebs, wie sich herausstellt. Richterin Barbara Salesch 1.) Eine Mutter (Problem: Schlankheitswahn) steckt ihrer Tochter eine Zahnbürste in den Hals, nachdem sie zu viel gegessen hat. Der Vater ist entsetzt. Der Verteidiger: „Wenn Sie aber einen dicken Kampfhund zu Hause als Frau hätten, würde es ihnen auch nicht gefallen.“ 2.) Eine Frau bekommt Drohbriefe von ihrem Ex-Freund. Salesch erfährt: die beste Freundin hat die Briefe geschrieben. Richter Alexander Hold 1.) Mutter schließt Tochter für vier Wochen in eine Abstellkammer ein – sie soll abnehmen, der Liebhaber findet die Kleine eklig. Hold zum Opfer: „Vergiss nie, dass man dich liebt, egal ob dünn oder dick.“ 2.) Nach Affäre mit dem Chef wird eine Frau schwanger. Sie stürzt sich von der Leiter, um ihren Chef anzuschwärzen, dass er sie geschubst hat. Donnerstag, 11. Juli Zwei bei Kallwass 1.) Claudia sagt ihrem Sohn: „Geh’ arbeiten“ und schmeißt ihn aus der Wohnung. Kallwass: „Gut, Du hast jetzt die Nabelschnur durchschnitten.“ 2.) Mutter arbeitet im Swinger-Club, der Tochter ist das peinlich. 3.) Mike will besser sein, als er eigentlich ist. Kallwass therapiert: „Glaub an dich. Alles Gute.“ Richterin Barbara Salesch 1.) Ein Postbote wird verprügelt, weil er ein Päckchen mit getragenen Damen-Unterhöschen zustellen will. Der Empfänger will diese Post nicht und schlägt zu. Die Höschenträgerin entschuldigt sich: „Da hab ich mich wohl in der Adresse geirrt.“ 2.) Jaqueline hat ihre 4-jährige Tochter an fremde, homosexuelle Männer verkauft, weil sie Geld brauchte: „Die schwulen Männer wollten ja unbedingt ein Kind.“ Richter Alexander Hold 1.) Sie heiratet zwei Männer, einen in Las Vegas. Die beiden streiten sich. 2.) Ein als Folterknecht verkleideter Partygast schlägt einen Liebhaber seiner nymphomanen Freundin nieder, bis ihm ein Licht aufgeht: „Ihr neuester Liebhaber hat mich angestachelt.“ Freitag, 12. Juli Zwei bei Kallwass 1.) Eine Mutter soll Verantwortung für ihre kriminellen Kinder übernehmen. 2.) Sie hat sich neue Unterwäsche gekauft, damit er wieder mit ihr schläft. Er aber will nicht, sie macht Schluss. 3.) Er bekommt keinen Orgasmus und hat Angst vor Beischlaf: „Bin mal bei meiner Ex-Freundin zu früh gekommen, sie hat mich ausgelacht.“ Richterin Barbara Salesch 1.) Ein Mann fesselt sein Kind auf dem Rücksitz des Autos: „Es wollte nur Benjamin Blümchen-Kassetten hören.“ 2.) Junger Mann bricht beim Motorradrennen im Eis ein. Schuldig ist sein Kumpel, dem er die Frau ausgespannt hat. Richter Alexander Hold 1.) Eine Tochter vergisst, den Gasherd auszustellen, damit die Mutter erstickt. 2.) Mann wird mit Messer bedroht. Montag, 15. Juli Zwei bei Kallwass 1.) Nadine arbeitet als Prostituierte, ihr Freund „kriegt so ’nen Hals.“ Er macht Schluss. 2.) „Du Kiffersau, geh mal arbeiten.“ Aber der Bruder will nicht. 3.) Ramona ist dick – er ein Fett-Fetischist. „Liebst du mich oder nur mein Fett?“ „Nur dein Fett!“ Ende der Beziehung. Richterin Barbara Salesch 1.) Einer Prostituierten wird von zwei Hausfrauen der Kopf kahl rasiert: „Dreckige Hure!“ Salesch, ganz böse: „Ruhe bitte, das ist ein Gerichtssaal.“ 2. ) Das Wohnmobil wird von der Ex angezündet, weil er ihre Sachen verkauft hat. Richter Alexander Hold 1.) Ein Vater fährt mit zwei Kindern Autorennen, baut einen Unfall. Ein Kind stirbt. 2.) Frau verführt Mann an der Bar und geht mit ihm aufs Hotelzimmer. Dann kommt ihr Freund und verprügelt den Mann. Die beiden machen das oft so. Dienstag, 16. Juli Zwei bei Kallwass 1.) Jenny hört das Gestöhne der Mutter mit einem fremden Mann und erwartet besseres Verhalten. 2.) Marek ist dem Satan verfallen. Seine Freundin gesteht, dass seine Satansbrüder ihr Blut wollen. Kallwass: „Ihr habt Minderwertigkeitsgefühle und seid gefährdet. Tschüss.“ 3.) Sabine wird vom Schwiegervater sexuell belästigt. Ehemann: „Glaub ich nicht“ Richterin Barbara Salesch 1.) Erik und Jörg geben sich als Mitarbeiter einer Casting-Firma aus. Zwei Frauen sollen sich ausziehen und Ameisen essen – das kostet 500 Mark. Sie zeigen die Videobänder auf einer Party. 2.) Ein Tierquäler soll einen Hund getötet und ihn dann in seinen Keller gelegt haben. Die Tierschützerin muss gestehen: „Ich war es: Ich habe einem toten Hund die Beine gebrochen, damit alle denken der Tierquäler sei es gewesen.“ Richter Alexander Hold 1.) Ehemann vergewaltigt seine Frau und läuft mit offener Hose auf die Straße. 2.) Vater hat angeblich die Tochter am Treppengeländer fest geschnallt, damit sie aufhört, Drogen zu nehmen. Doch es war der Dealer - der zückt ein Messer und will aus dem Gerichtsaal fliehen. Weil all diese Sendungen so erfolgreich sind, startet RTL zusätzlich zum Jugendgericht im Herbst noch Das Strafgericht und Das Familiengericht. Auch ProSieben plant eine Court-Show. Vielleicht sollte der Richter-Bund mal Anklage erheben. VANESSA X. KRAFFT SZ vom 18.07.2002 - Medien
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.................................................................................................................................................................................................................................. T O Y C A M E R A P H O T O G R A P H Y N E W L I N K S G U E S T B O O K E N G L I S H F A K T E N P R E S S E D A T E N H O M E
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